Donnerstag, 11. Oktober 2012

OFFICE DAYS (10. & 11.10.)

Die nächsten beiden Tage verbringe ich im Büro und helfe Marika dabei die Fotos von den Kamerfallen auszuwerten. Zwischen den Sandpads sind Kameras angebracht, die durch einen Bewegungssensor ausgelöst werden und immer 3 Fotos in Reihe aufnehmen. Nachts machen sie mit einem Infrarot-Blitz Fotos. Das ganze ist Teil der Prädatoren-Studie und soll natürlich Fotos von Katzen und Füchsen machen. Außerdem geben sie einen ganz guten Überblick, welche Tiere in diesen Gebieten leben und wie viele.
Die Fotos auszuwerten, heißt jedes Foto anzusehen und zu notieren, was darauf zu sehen ist und zu welcher Uhrzeit. Manchmal sind es leider nur Blätter im Wind, die der Bewegungssensor registriert und dann Fotos von der Landschaft macht. Oder vorbeifahrende Autos (also normalerweise wir, wenn wir die Sandpads machen). Aber ich lerne jetzt die Tiere zu den Fußspuren kennen und ich sehe endlich Woylies! Naja, Fotos davon... Manche Tiere, vor allem Kängurus sind an den Kameras ziemlich interessiert. Sie hören wohl das leise klicken, wenn ein Foto gemacht wird. Dann hat man gefühlte hundert Fotos von einem Känguru-Bauch... :-D

Woylie oder brushtalied bettong (Bettongia penicillata)

Woylie
Es sind auch manchmal echt goldige Fotos dabei, wie das hier von einer Possum-Mama mit Possum-Jungem auf dem Rücken. :-) 

Brush-tailed Possum mit Jungem auf dem Rücken - soooooo süß!


Nach zwei etwas ermüdenden Office-Tagen mache ich mir am Donnerstag Abend einen Känguru-Burger. Ja, ihr lest richtig, ich probiere Känguru. Die Australier sagen selber, dass sie wohl die einzige Nation sind, die ihr Wappentier isst, aber wenns auch so gut schmeckt.... :-D
Und ja, der selbstgemachte Känguru-Burger mit frischer Guacamole und Vintage Cheddar ist echt richtig lecker!

hmmmm... lecker Känguru-Burger

Morgen hab ich zum lernen frei. Nach 9 Tagen Arbeit, die echt anstrengend waren, weil ich so viel neues gelernt hab, immer Englisch reden musste und dann auch noch einen 12 Stunden Tag am 09.10. hatte, bin ich echt fertig. Ich glaube, ich brauche den Freitag eher um mich zu erholen und dann am Wochenende ordentlich für meine Prokaryoten-Physiologie-Klausur, die ich leider noch einmal schreiben muss, zu lernen. Ich bin aber echt froh, dass meine Dozentin mir die Möglichkeit gibt, die Klausur im Ausland mitzuschreiben. Nur so hatte ich die Möglichkeit früher nach Manjimup zu kommen, um von Anfang an am Woylie-Projekt mitzuarbeiten und dann im Anschluss noch nach Port Hedland zu können, um mit den Meeresschildkröten zu arbeiten. Die sind nämlich vor allem im Dezember aktiv, wenn sie zum nisten an den Strand kommen und dann auch schon die ersten Baby-Schildkröten schlüpfen.
Also muss ich auch wirklich lernen um die Klausur zu bestehen. Auch wenn ich keine Lust habe, weil es hier so viel besseres zu tun gibt. ;-) Hab aber echt schon ein schlechtes Gewissen, dass ich bisher nichts gelernt habe...und die Klausur ist schon am 20.10.!


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Dienstag, 9. Oktober 2012

SPOTLIGHTING

Nach einem etwas langweiligen Tag im Busch -  ja, langsam werden die Sandpads schon langweilig und heute waren auch viele dabei, über die kein einziges Tier gelaufen ist, das ist dann echt etwas langweilig - geht es heute Abend zum Spotlighting mit Chris und Collin.

Hier aber erstmal ein paar Fotos von meinem Tag im Busch:

Sandpad mit Fußspuren von Western Quolls (beginnend links unten), Possums (die kleinen Tapper, die rechts unten beginnen) und Kängurus (Spuren von großen Füßen und Schwanz quer über das Sandpad)

wunderschöne Grasbäume


Spotlighting:

Ich habe ehrlich gesagt noch keine Ahnung, wie das ganze so abläuft. Ich denke mal, wir sitzen irgendwo und immer wenn wir was hören, schalten wir die Taschenlampen an und sehen was das für ein Tier ist.
Wir treffen uns um 7 Uhr, nach Sonnenuntergang und fahren erst einmal 45min zu der Stelle, an der wir anfangen werden. Ich habe mich warm angezogen: Strumpfhose, Jeans, dicke Kniestrümpfe, Skiunterhemd, Fleecejacke und meine Outdoor-Jacke, die auch noch einmal aus einer Fleece- und einer Windjacke besteht. Und ich hab noch meine dünnen Handschuhe dabei, die ich normal unter meine Skihandschuhe anziehe. Mann ist das heiß im Auto.... :-D
Im Busch angekommen, fangen Chris und Collin an auf dem Dach unseres Allrad-Fahrzeugs, Sitze zu montieren. Sie gehen mir eine Fellmütze und dann klettern Chris und ich, mit zwei Strahlern bewaffnet auf das Auto und wickeln uns in Decken ein. Collin fährt in Schrittgeschwindigkeit los und Chris erklärt mir, das ich dem Lichtstrahl mit meinen Augen folgen soll und immer schön vom Boden die Baumstämme entlang bis nach oben ableuchten soll und ich am ehesten leuchtende Augen sehen werde oder wenn sich etwas schnell bewegt. Und dann schreit er auch schon "Stop". Er hat ein Possum an einem Baumstamm entdeckt. Ungefährt 40m entfernt. Mit einem speziellen Gerät bestimmt er die Koordinaten und Collin notiert alles. Es ist ein Brush-talied Possum (=Fuchskusu).
Oh Mann, ob ich sowas erkennen werde? hab schon ein bisschen bedenken, dass ich die meisten Tiere übersehen werde.
Wir fahren langsam weiter, da höre ich etwas. Tatsächlich, ein Känguru direkt neben unserem Auto. Das war ja nicht gerade schwer. :-) Und ich habe auch etwas entdeckt. Juhu! Chris bestimmt wieder die Koordinaten und weiter geht es.
Es ist ganz schön abenteuerlich, auf dem Dach eines Autos zu sitzen, das über Stock und Stein mitten dusch den australischen Busch fährt, auf unbefestigten Waldwegen. Und manchmal müssen wir uns ganz schön ducken, weil die Äste so tief hängen. Nur nicht an die Spinnen denken, die es hier so gibt..... Brrrr....
Was mir aber noch mehr Gänsehaut bereitet, ist die Kälte! Oh Mann, es ist echt Ar***kalt! Die beiden haben Anfangsuhrzeit und Temperatur notiert...5°C!!! Mann, ich dachte ich bin in Australien! Hier ist es ja kälter als in Deutschland zur Zeit! Ich glaub echt ich frier hier fest.
Ich entdecke noch ein paar Kängurus und Chris entdeckt ein Possum auf einem Ast über unseren Auto. Wie süß! So nah! Es ist natürlich etwas geblendet und stellt sich tot, deshalb hab ich die Chance es genauer zu betrachten. Goldiges Tierchen!
Nach 1,5 Stunden geht es dann wieder heim. Leider haben wir nur Kängurus und Possums gesehen. Kein Woylie... Wollt doch unbedingt ein Woylie sehen. Die Tiere für die ich nunmal hier bin. Naja, vielleicht beim nächsten Mal. :-)


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Montag, 8. Oktober 2012

NOCH MEHR GELBE BLÜTEN

Heute bin ich mit Collin unterwegs. und um ehrlich zu sein....ich versteh kein Wort! :-S 
Collin ist in Manjimup aufgewachsen und hat so einen starken Dialekt, dass ich echt 3 mal nachfragen muss und am Ende dann doch einfach lächle, nicke und Ja sage.... Wie peinlich! :-D Ich glaub es ist ihm zu doof alles dreimal zu sagen, deshalb redet er nicht so viel. Chris war da sehr geduldig und hat immer alles schön wiederholt und trotzdem sehr viel geredet. ;-)
Collin wirkt eher wie ein etwas sprechfauler Farmer, geht nicht ohne seinen Akubra aus dem Haus und ist eben so ein richtiger Aussie. Ist jetzt nicht böse gemeint. Nicht, dass das hier falsch rüber kommt mit dem Farmer. Collin ist auch schon um die 60 und eben ein richtiger Manjimup-Aussie. Kein Wunder, dass ich kein Wort vertseh. ;-) 
So muss es Leuten gehen, die Deutsch als Fremdsprache gelernt haben und dann auf einen Urbayern treffen... Die werden auch kein Wort verstehen. Selbst wenn ein Urbayer langsam und deutlich spricht, hat das noch lange nichts mit Deutsch zu tun.... :-D 
So ist es eben mit Collin... ;-)

Es gibt wieder jede Menge Fußspuren in den Sandpads. Collin arbeitet zwar wieder etwas anders, aber er ist sehr erstaunt, dass ich schon fast alle Fußspuren erkennen kann. Vorallem kann ich Katzen von Füchsen unterscheiden, womit sich die meisten hier recht schwer tun. Da zahlt es sich eben aus, dass ich zwei Katzen hab. Aber es ist wirklich nicht einfach die beiden zu unterscheiden. Ich kenn halt die Pfötchen meiner Süßen (die ich schon ganz schrecklich vermisse) und kann dadurch die Fußspuren im Sand sofort erkennen.

Ansonsten gibt es wieder jede Menge gelber Blüten/Blumen zu entdecken. Hach, soooooo schön!

Leider weiß ich nicht, was das für eine Pflanze ist. Die gelb blühenden Büsche sind ca. 2m hoch und die Blätter sehen nach einer Eukalyptusart aus. Bei über 600 verschiedenen Eukalyptus-Arten kann das gut möglich sein. ;-)

cowslip orchid (Caladenia flava)

Zurück im Manjimup office kommt Chris noch auf die Idee mir den Diamond Tree zu zeigen. Ein Karri Baum der als Bushfeuer-Aussichts"turm" verwendet wurde. Hierfür wurden früher besonders hohe Bäume verwendet, in die man einfach lange Eisenstangen gerammt hat, die als Leiter dienten und in der Baumkrone eine Plattform angebraucht hat. Diese "fire lookouts" werden teilweise heute noch verwendet, um Buschfeuer zu überwachen (mehr aber natürlich Flugzeuge und Feuer-Türme). Man kann auf den Diamond tree natürlich auf eigene Gefahr hochklettern. Mich kriegen mit meiner Höhenangst keine 10 Pferde da hoch! ;-)


Diamond Tree
 Oder doch....

sieht doch so sicher aus.... O.o

Weiter bin ich nicht gegangen. Aber natürlich nur, weil Chris auf mich gewartet hat... ;-)

Wie beruhigend!

Chris ist in seinen jungen Jahren natürlich auf diesen und die anderen beiden, noch höheren fire-lookouts geklettert. Viele klettern da hoch. Mir reicht der Anblick schon. Ich mein, man ist da ja absolut ungesichert. Ein falscher Schritt und das wars... Nein Danke! O.o


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Samstag, 6. Oktober 2012

ERSTES WOCHENENDE (06. & 07.10.)

...und ich muss gleich mal arbeiten. Um eine ordentliche Aussage über die Aktivität der Predatoren machen zu können, müssen die Sandpads 6 Tage in folge kontrolliert werden. Das heißt, dass wir das Wochenende arbeiten müssen.
Aber ich bin beide Tage mit Chris unterwegs und der ist so lustig, dass es echt Spaß macht. Außerdem hab ich ja dank Feiertag am 01.10. und dem Bus-Chaos erst am Mittwoch zum arbetien angefangen. Kann mich also gar nicht beschweren und es stört mich auch wirklich nicht.

Außerdem bin ich auch immer noch so überwältigt von der wunderbaren Natur hier! Es ist hier eben alles ganz natürlich. Abgestorbene Bäume bleiben hier eben einfach liegen und bieten einen tollen Lebensraum für verschiedenste Tierarten. Von Insekten über Vögel bis zu Säugetieren. Nicht so wie in Deutschland, wo alles im Wald aufgeräumt wird und alles ordentlich aussehen muss. Unnatürlich eben...
Es ist viel besser für die Natur, wenn sie sich selbst um alles kümmern kann und nicht Mami jeden Tag das Kinderzimmer aufräumt. ;-)

Ich hab hier mal wieder ein paar Fotos von den prickly moses. Sieht einfach soooooo toll aus!

prickly moses im Jarrah Wald

prickly moses Nahaufnahme

Wir sind recht früh fertig mit den Sandpads an diesem Samstag. Wir gehen noch einen Kaffee im Timber Park in Manjimup trinken. Hier gibt es echt viele Vögel. Total toll die zu beobachten. Nur hab ich meine Kamera im Auto gelassen...typisch!
In Manjimup gehen wir noch kurz in den bottleshop, weil ich mir mal ansehen will, was für Wein es hier gibt und was der Spaß so kostet. Zwei Winzer aus der Gegend sind da und ich kann gleich mal ein wenig Wein kosten. :-) Chris kennt natürlich beide. Der erste Winzer flüstert mir zu, dass er mir einen Sonderpreis machen kann, wenn ich bei ihm auf dem Weingut vorbei komme. Im bottleshop kostet eine Flasche $13, Sonderangebot. Chris sagt mir, dass wir jeden Tag an diesem Weingut vorbeifahren und wir da am Sonntag anhalten könnten. :-)
(Achja, $13 ist hier echt günstig für eine Flasche Wein....)


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Am Sonntag heißt es dann auch wieder früh aufstehen und raus in den Busch. Chris macht immer Witze, dass ich eine gute Hausfrau abgebe, weil man die Sandpads am Ende mit einem Besen glatt macht um die Fußspuren ordentlich sehen zu können. ;-)
Ich hab heute endlich mal den tollen Termitenhügel fotografiert, der so einen schönen Eingang hat. Find die Termitenhügel, die man hier echt überall sieht, schon echt beeindruckend. Faszinierend, was so kleine Insekten alles machen können.

Termitenbau

Auf dem Weg zu unserem zweiten Gebiet sehen wir ein Reptil über die Straße laufen und wir bleiben stehen. Es ist ein bobtail lizard bzw. bluetongue lizard (auf deutsch: Tannenzapfenechse). Wie cool!

Er hat sich im hohen Gras versteckt. Chris ist da aber echt schmerzfrei und schiebt ihn mit dem Fuß zurück Richtung Straßenrand, damit ich ein gutes Foto machen kann. Der arme Kleine weiß gar nicht, was mit ihm passiert.

bobtail lizard (Tannenzapfenechse)

Langsam is er dann doch etwas verärgert und droht uns sobald einer seinen Fuß bewegt. Das sieht total cool aus! :-) 
Zähne hat er zwar keine, aber man muss trotzdem aufpassen, weil die sehr kräftig zubeissen und die Hand oder den Finger einfach nicht mehr loslassen. Ist auch ohne Zähne sehr schmerzhaft. Einem Freund von Chris ist das mal passiert und sie haben echt ewig rumprobiert das Tier wieder von seiner Hand weg zu bekommen. Mit Stecken, Lineal usw. haben sie probiert das Maul aufzukriegen. Am Ende hat er dann irgendwann von alleine losgelassen. Angeblich nach ner halben Stunde. :-D


angry lizard ;-)

Ich entdecke im Wald wieder unglaublich viele neue Pflanzen. Ist echt interessant, was hier alles wächst. Ist ja eigentlich sehr trocken hier, aber trotzdem gibt es so viele verschiedene Blumen und andere Pflanzen. :-)

leider weiß ich nicht, was das für eine lustige Blume ist

wieder ein Sonnentaugewächs (fleischfressende Pflanze)

Grasbäume und blühende Büsche - so schön!

noch mehr blühende Pflanzen

Auf dem Rückweg nach Manjimup halten wir dann noch bei dem Winzer an, den wir gestern im bottleshop getroffen haben. Ich kaufe ihm zwei Flaschen Rotwein ab für je $10. Sein Weingut heißt übrigens Puddingbrook. :-)

Bevor es nach Hause geht will mir Chris noch "the four aces" zeigen. Riesige Karri Bäume (Eucalyptus diversicolor), die schön in einer Reihe stehen. Karri Bäume können bis zu 90m hoch werden. WOW! "The four aces" sind 75m hoch. Leider wird man hier kaum höhere Karri-Bäume finden, weil sie der Holzindustrie zum Opfer gefallen sind. Ja, Manjimup ist eine berühmte Holzfäller-Stadt. :-/

Der Karri-Wald, der auf der anderen Seite von Majimup anfängt sieht so toll aus! Diese riesigen Bäume mit ihren weißen Stämmen! Einfach atemberaubend!

Karri trees (Eucalyptus diversicolor)

The four aces

Drei der vier Asse ;-)


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Freitag, 5. Oktober 2012

WILDBLUMEN UND SCHWARZE KAKADUS

Heute fahre ich mit Marika in den Busch um die Sandpads zu kontrollieren und für den nächsten Tag wieder sauber zu machen.
Marika hat Biologie studiert und ist die gleiche Perfektionistin wie ich. Das passt also gut zusammen und wir kommen gut klar. Anscheinend kommt sie mit Menschen, die nicht so ordentlich arbeiten nicht so gut klar. Aber ich versteh mich echt gut mit ihr.
Und sie ist, wie alle hier, total geduldig, wenn ich von allem um mich rum Fotos mache. Es ist einfach alles so toll, so aufregend, so anders als in Deutschland! Und ich liebe meine Kamera! Es macht einfach unglaublich Spaß Fotos zu machen. Mein großes Hobby. :-) Und hier gibt es nunmal so unglaublich viele Motive. Da fällt es schwer nicht alles zu fotografieren. Aber ich bin ja zum arbeiten da...das tu ich auch die meiste Zeit, aber Fotos müssen eben auch sein. 

Die gelben Büsche haben vor ein paar Wochen noch den kompletten Waldboden bedeckt. Das muss unglaublich toll ausgesehen haben. Leider sind die meisten schön verblüht und somit nur noch gelbe Flecken übrig. Aber man kann sich vorstellen was das für ein Blütenmeer gewesen sein muss. Bin schon ein bisschen enttäuscht, dass sie nicht noch eine Woche länger durchgehalten haben... Naja, kann man nichts machen. Und auch so ist es hier unglaublich schön!

prickly moses = gelb blühende Büsche aus der Gattung der Akaziengewächse

Wenn man sich vorstellt, dass die restlichen Sträucher auch alle gelb geblüht haben,
kann man erahnen, wie unglaublich schön das ausgesehen haben muss.

Und plötzlich höre ich in den Bäumen ein lautes krächszen. Es kommt von schwarzen Kakdus. Marika sagt mir, dass das redtailed cockatoos sind (=Banks Rabenkakadu). Wow! Die sind echt toll!

Banks-Rabenkakadu (redtailed black cockatoo), Männchen

und weil sie so schön sind, hier noch ein zweites Foto von den beiden

Wir kommen nach einer Weile an eine Lichtung im Wald, an der lauter blaue Blumen wachsen. Oh wow, das sieht ja so traumhaft schön aus! :-) Nach jeder Kurve wartet hier eine neue Überraschung auf mich! Wahnsinn! Ich komm hier echt nicht aus dem Staunen raus! Meine wohl am meisten verwendeten Englischen Wörter sind "Wow", "amazing" und "beautiful". :-)

das Foto zeigt nichtmal annähernd, wie blau die Blumen sind

Später kommen wir noch an einer Farm vorbei. Das Feld ist übersät mit gelben Blumen. Wunderschön. Allerdings sind das keine einheimischen Blumen sondern wurden eingeschleppt, wie so vieles hier. Die Blumen sehen ein bisschen wie Gerbera aus. Sind sicher aus der gleichen Familie oder Gattung.

Ein Foto ist es trotzdem wert, weils einfach so schön aussieht! :-)



Zurück im Kingston House lerne ich meine Mitbewohner kennen, die leider morgen schon wieder abreisen. Und ich stelle fest, dass man die Klimaanlage auch als Heizung hernehmen kann! Oh Mann! Ich dachte immer, die Dinger kühlen nur. Aber die Jungs aus Tasmanien haben damit eingeheizt. Juhuuu!!! Endlich nicht mehr frieren! Es is einfach saukalt in der Nacht!
Der tasmanische Dialekt is wieder anders und ich hab echt Probleme die Jungs zu verstehen....ob ich hier jemals alle Leute verstehen werde?


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Donnerstag, 4. Oktober 2012

GRASBÄUME, WILDBLUMEN UND EIN KING JARRAH - ZWEITER ARBEITSTAG


Heute fahre ich mit Chris in den Busch. In eine etwas andere Gegend. Die auch wieder total anders aussieht. Ich bin ja so begeistert von der Natur hier! :-)



Chris kommt ursprünglich aus Mazedonien und ist als Kind mit seinen Eltern nach Manjimup gekommen. Er könnte eigentlich schon in Rente gehen, aber seine Frau ist jünger als er und muss noch ein paar Jahre arbeiten. Also arbeitet er auch lieber noch anstatt sich zu Hause zu langweilen.
Mit Chris zu arbeiten macht echt Spaß, weil er total lustig ist und immer einen frechen Spruch parat hat.
Die Schotterpisten, die wir entlangfahren sind teilweise schon echt abenteuerlich. Ich finds klasse! Achterbahn fahren im australischen Bush. :-)

der Dienstwagen

Ich lerne heute, wie man Fußspuren im Sand liest. Macht echt Spaß. Wir notieren alle Tierarten. Aber natürlich interessieren uns vor allem Katzen und Füchse. Die Sandpads gehören ja zum Predator-Monitoring-Project. Und ein paar Woylie Fußspuren finden wir auch. Ansonsten vor allem Kängurus und Wallabies, Emus, Chuditch (eine einheimische Katzenart) und natürlich Possums.
Und ich bin wirklich begeistert von den Pflanzen hier. Viele Blumen, Fleischfressende Pflanzen, Grasbäume und natürlich Eukalyptus in den verschiedensten Formen. Ich hab richtig Glück, dass ich zur wildflower-season hier bin.



prickly moses (gelb), wie die weißen Büsche heißen, weiß ich leider nicht
und Grasbäume und Eukalyptus im Hintergrund


Blumen im Haar!
(Grasbaum mit Clematis)




Sonnentau






Als ich ein Foto von einer fleischfressenden Pflanze machen möchte fällt mir eine Stabheuschrecke auf. Wie cool ist das denn!? Findet ihr sie auf dem Foto?

Stabheuschrecke und Sonnentau-Gewächs


Und noch mehr Blumen. :-)




Auf dem Rückweg kommen wir am Woylie Sanctuary vorbei. Ein Zaun umgibt hier ein Gebiet, in dem keine Fressfeinde sind. Somit kann sich hier eine kleine Population Woylies erholen. So kann die Art zumindest vorerst vor dem Aussterben bewahrt werden.


Perup Sanctuary

Nach der Arbeit zeigt mir Chris noch den King Jarrah. Er ca. 500 Jahre alt, 45m hoch und hat einen Stammdurchmesser von 2,6m. Jarrah trees sind, wie könnte es anders sein, Eukalyptusbäume. Den King Jarrah haben die Holzfäller damals wohl übersehen. Gott sei Dank, so ist wenigsten ein alter und großer Baum nicht abgeholzt worden.


King Jarrah
ich vor dem King Jarrah



Hier die Auflösung zum Stabheuschrecken-Suchbild:



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Mittwoch, 3. Oktober 2012

ERSTER ARBEITSTAG IN MANJIMUP



Um 8 Uhr geht’s los. Mein Arbeitsweg ist ja nicht wirklich weit, also reicht es, dass ich 5 vor 8 losgehe und bin trotzdem noch vor 8 Uhr da. :-) (Also ich wohn im Kingston House direkt auf dem Gelänge des DEC = Department of Environment and Conservation. Ich muss also echt nur einmal umfallen und bin da.)
Adrian kommt gleichzeitig an und begrüßt mich gleich. Er stellt mir kurz die anderen Teammitglieder vor und dann fahren wir auch schon in Zweiergruppen los. Ab in den Busch. Nach 45min Fahrt kommen Adrian und ich irgendwo mitten im Wald an und fangen an die Sandpads, die über den Winter nicht benutzt wurden sauberzumachen. Das heißt: den Sand mit einem Rechen auflockern (der Sand ist ganz schön hart), Dreck rauskehren und die Oberfläche schön glatt machen. Dann noch einen Handabdruck machen, damit man am nächsten Tag sieht, ob es geregnet oder gestürmt hat oder jemand drübergefahren ist und danach den Sand wieder glatt gemacht hat, usw. Und das 50mal. Ganz schön anstrengend!

Adrian macht einen Handabdruck in das fertige Sandpad

Aber die Natur hier ist wirklich überwältigend: Eukalyptusduft in der Luft, Grasbäume, die hunderte Jahre alt sein müssen (die wachsen nur 1cm pro Jahr und sind hier teilweise 4m hoch), Eukalyptusbäume in hunderten verschiedenen Arten und dazwischen blühen Orchideen und Clematis. WOW! 


Orchideen am "Straßen"rand

Ich liebe die Grasbäume!

Clematis

noch mehr Orchideen

In diese Gegend hier kommt man normalerweise garnicht hin. Man braucht eine extra Genehmigung oder muss beim DEC arbeiten, um in diese Gebiete fahren zu dürfen. Also ist hier die Natur unberührt. Gut, sie muss sich von den Holzfällern, die hier alle alten großen Jarrah Bäume vor 50-100Jahren abgeholzt haben erholen. Aber seitdem es ein Naturschutzgebiet ist, kann hier alles wachsen und wuchern wie es will. Man sieht aber auch die Spuren der Buschbrände, die hier aber meistens gezielt und kontroliiert gelegt werden um unkontrollierte große Buschbrände zu verhindern.

Der erste Tag war echt klasse. Total anstrengend und auch lang (hab ja auch noch die Sicherheitsbelehrung und Einführung in das DEC und das Woylie Conservation Project bekommen), aber voller wunderschöner Eindrücke. Und Adrian hat mir auch total viel erklärt, über die Bäume und die anderen Pflanzen hier, was den Süd-Westen Western Australias so besonders macht und viel über die Tiere hier. Hab also viel gelernt.

Kurze Zusammenfassung (für Interessierte):
Süd-West Western Australia ist nach Osten hin durch die Nullarbor Plains, einer großen Wüste von Ostaustralien getrennt. Auch im Norden trennt eine Wüste den Süden von den Tropen. Also umgeben von Wüsten und Meer gibt es hier keinen Kontakt zu anderen Gebieten Australiens. Deshalb gibt es hier auch keine Koalas.
Der Boden hier ist sehr Nährstoffarm. Die Pflanzen sind also auf Symbionten angewiesen um genug Nährstoffe binden zu können. Um sich vor Fras durch Kängurus, Possums & Co zu schützen, produzieren viele Pflanzen hier ein sehr effektives Gift: Natriumfluoracetat. Das hat natürlich als starker Selektionsfaktor gewirkt und es konnten nur Kängurus, Possums & Co überleben und sich fortpflanzen, die gegen dieses Gift resistent sind. Ein ostaustralisches Possum würde hier also sterben, während ein westaustralisches Possum der gleichen Art hier super zurecht kommt.
Heute werden Köder mit diesem Gift (auch Poison 1080 genannt) hier verteilt, um eingeschleppte Arten, wie z.B. Katzen und Füchse, zu vergiften. Daran hab ich schon echt zu knabbern! Ich liebe Katzen und hier werden sie einfach getötet... :-( Sie sind eine Plage und fressen die einheimischen Tiere, wovon schon sehr viele vom Aussterben bedroht sind. Aber ich finde es trotzdem grausam, dass Tiere, die von dummen Menschen hier ausgesetzt wurden, einfach sterben müssen, nur weil sie versuchen irgendwie im Busch zu überleben... :-( am liebsten würd ich die Katzen hier alle einfangen und mit nach Deutschland nehmen...
Übrigens stirbt ein Fuchs oder eine Katze auch, wenn es ein Tier frisst, dass gerade eine der giftigen Pflanzen verspeist hat. Und für Menschen ist es auch giftig.
Der Süd-Westen Western Australias hat also eine ganz eigene und einzigartige Flora und Fauna. Es sieht hier auch wirklich komplett anders aus, als an der Ostküste. Wobei ich den Regenwald an der Ostküste schon sehr gern mag. Kann mich nicht entscheiden, wo es mir besser gefällt. Ist zu unterschiedlich um es miteinander vergleichen zu können.
Was toll ist, ist die Wilblumenblüte (wildflower season), die zur Zeit in Western Australia ist. :-)


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